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Thema: Organspende


Hallo John,

ich hoffe, Sie werden mir auch im neuen Jahr als LeserIn meines Newsletters die Treue halten.
Heute geht es exklusiv um das Thema Organspenden. 

Ich möchte Ihnen hier meine ganz persönlichen Gedanken zum Thema darlegen. Ob man sich für oder gegen eine Organspende entscheidet, ist eine sehr persönliche Angelegenheit.

Trotzdem wird inzwischen auch politisch versucht, auf uns, die Bürger einzuwirken. Es wird suggeriert, dass allein die Entscheidung für eine Organspende eine moralisch wertvolle Entscheidung ist.

Ich sehe das anders und möchte Ihnen erzählen, warum.

Bleiben Sie gesund und munter, Ihre
Heike Bohnes

PS.: Bei Anregungen oder Fragen senden Sie mir bitte eine E-Mail an info@carekonzept.de

Ist der Organspender der bessere Tote?


Die Pflicht sich zu entscheiden

Unser Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr möchte die Anzahl der Organspender in Deutschland erhöhen. Dazu sollen die Krankenkassen ihre Versicherten mit Zusendung der neuen Gesundheitskarte fragen, ob sie Organspender sein möchten oder nicht. Gleichzeitig sollen auch entsprechende Informationen zur Organspende verschickt werden.

Wer 16 Jahre oder älter ist, soll dann eine verbindliche Entscheidung treffen, ob er Organspender sein möchte. Wie die Rücknahme dieser Entscheidung, etwa im Alter von 20 Jahren aussehen soll, wird natürlich nicht kommuniziert. Eine Entscheidungsverpflichtung, wie es die CDU / CSU und die SPD ursprünglich wollten, wird es nicht geben. Dieses Verfahren würde gegen unser Grundrecht auf Selbstbestimmung verstoßen.

Was mich stört, ist die Art der Informationspolitik zu Organspenden, die meines Erachtens einseitig ist. Schnell entsteht so der Eindruck, dass eine Art gesellschaftlicher Norm etabliert werden soll, die die  Entscheidung für eine Organspende als eine Art höherwertiger Entscheidung bewertet. Dabei wird nahezu populistisch vorgegangen, anstatt die unterschiedlichen Entscheidungsmöglichkeiten von allen Seiten zu beleuchten.

Denn aus meiner Sicht geht es nicht "nur" um ein schlichtes "Ja" oder "Nein". Es geht auch um ethische Fragen. Vor allem aber geht es darum, dass offengelegt werden muss, dass die Organe nicht nur Leben retten, sondern dass mit dem "freigegebenen Körper" unter Umständen auch lukrative Geschäfte gemacht werden.


Organspende rettet Leben

Zumindest wird diese Tatsache als wesentlicher Grund für die Organspende ins Feld geführt. Ärzte kennen inzwischen keine Grenzen mehr, wenn es darum geht, Körperteile zu verpflanzen. Da wird etwa nicht mehr versucht, ein zerstörtes Gesicht chirurgisch und plastisch aufzubauen, sondern ein Lebender bekommt das komplette Gesicht eines Toten verpflanzt. Was dies langfristig für ihn oder seine Familie bedeuten wird, weiß man nicht, denn gerade diese Operation ist das Neueste in der Transplantationsmedizin.

Bei manchen Organempfängern rettet das neue Organ gar nicht das Leben, es verlängert es lediglich, weil der Körper das fremde Organ einfach vehement abstösst. Da helfen dann auch die so genannten immunsuppressiven Medikamente, die die körpereigene Abwehr unterdrücken sollen, nicht immer zuverlässig.

Darüber hinaus müssen die Empfänger aber auch die Familie des Spenders oft mit psychischen Problemen kämpfen. Nicht alle Transplantationsgeschichten sind die glänzenden Erfolgsgeschichten, die Sie im Fernsehen präsentiert bekommen.
Es schafft auch nicht jeder Mensch in dem Bewusstsein zu leben, dass er das Organ eines Fremden / Toten in sich trägt.



Pflichtlektüre für Organspender

Das Buch "Ausgeschlachtet - Die menschliche Leiche als Rohstoff" hat mich dazu bewogen, meinen Organspendeausweis zu zerreissen. Dieses Buch hat alle meine Befürchtungen, die ich nicht zuletzt aufgrund meiner Fachkenntnis im medizinischen Bereich hatte, bestätigt.

Die Autorin Martina Keller hat gründlich recherchiert und zeigt dem Leser, was mit seinem Körper alles passieren kann, wenn er einfach nur "ja" in seinem Organspendeausweis ankreuzt. Sie beschreibt, wie mit dem toten umgegangen wird und was unter Umständen auch auf die Familie zukommt.
Sie zeigt zudem die Grauzonen zwischen Gemeinnützigkeit und Kommerz und weist nach, wer wie an der Ausbeutung des toten Körpers im weltweiten Handel verdient.

Ausgeschlachtet - Die menschliche Leiche als Rohstoff


Ein Fall zum Nachdenken

Sicher ist Ihnenbekannt, dass es Schwerkranken in den Niederlanden unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist, sich von einem Arzt töten zu lassen.
Dazu müssen drei Ärzte, darunter ein Psychiater, den Patienten begutachten und herausfinden, ob es um einen "echten" Sterbewunsch oder "nur" um Verzweiflung geht.

In der DIE ZEIT vom 20.10.2011 las ich einen Artikel, der die Themen Sterbehilfe und Organspende miteinander verband.
Eine Hölländerin in den vierzigern bat ihren Arzt nach einem Schlaganfall um aktive Sterbehilfe. Der Unterschied zu anderen Patienten, die in den Niederlanden um aktive Tötung bitten, war, dass die Patientin gar nicht sterbenskrank war. Sie hätte mit dem Schlaganfall noch Jahrzehnte weiterleben können.

Der zunächst zögerliche Verlauf in Bezug auf den Todeswunsch nahm zu dem Zeitpunkt Geschwindigkeit auf, als die Patientin ihrem Arzt erklärte, dass sie ihre Organe nach ihrem Tod spenden wolle.
Damit wurde dieser Fall gleichzeitig zu einer Weltpremiere. Denn die Ärzte haben die Patientin nicht nur aktiv getötet - sie haben ihr unmittelbar im Anschluss an die Tötung auch die Organe entnommen.

Alles dies geschah bereits im Jahr 2005. Die beteiligten Ärzte vereinbarten jedoch Stillschweigen und erst 2011 kam der Fall an die Öffentlichkeit.

Die Chronologie der Ereignisse ist irritierend. Denn ab dem Zeitpunkt, als die Patientin ihren Spendewunsch geäußert hatte, erklärte der Arzt, dass "die Zeit drängt".
Die hinzugezogene Psychiaterin diagnostizierte eine Depression und lehnte eine Zustimmung zum Tötungswunsch ab. Seit der Erkrankung waren gerade einmal 14 Monate vergangen.
Kurzerhand wurde ein anderer Psychiater als Sachverständiger geholt, der den Todeswunsch als adäquat bestätigte.

Obwohl zumindest die Fachleute wissen, dass Einschränkungen durch einen Schlaganfall zunächst zu schweren Depressionen führen können und sich zudem innerhalb der ersten drei Jahre zurück bilden können, wurde von den Ärztnen bereits nach 14 Monaten dem Wunsch der Patientin sterben zu wollen, entsprochen.

Hat hier vielleicht eine Tötung stattgefunden, weil es so "verlockend" war, die Organe "weiter zu verwenden"? Hat somit der Zweck (Organspende) die Mittel (Tötung) geheiligt?


Hinweis: Der aktuelle Jahresbericht der Aufsichtskommission für Sterbehilfe in den Niederlanden verzeichnete in 2010 eine 20 % höhere Tötungsrate als in 2009. Es wurde bei 3.136 Menschen Sterbehilfe geleistet.



Fazit: Ich bin keine Organspenderin. Es gibt eine schriftliche Verfügung, die genau klärt, womit ich einverstanden bin und was ich ablehne. Zudem habe ich festgelegt, wie die Einhaltung dieser Verfügung kontrolliert werden soll. Ich möchte einen würdigen Umgang mit meinem sterbenden Körper und meiner Leiche. Zudem sollen Fremde aus meinem Tod keinen Profit erwirtschaften können.



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